Kostspielige Schnäppchen – Warum wir nichts von Sale halten!

Zahl 1, nimm 2! Alles muss raus! Billiger geht’s nicht! Leuchtende Plakate, plumpe Zitate und penetrante Onlinewerbung verkünden lauthals, dass wieder Sale ist. Am Ende der Sommer- und Wintersaison haut die Modeindustrie seinen Käufern die Preise regelrecht um die Ohren. Sale ist heute fast nicht mehr wegzudenken – schließlich greift der Schlussverkauf in Deutschland auf eine lange Tradition zurück. Viele Käufer antizipieren die halbjährlichen Preissenkungen sogar voraus, was dazu führt, dass Kunden während der Saison nicht mehr einsehen, zum „normalen“ Preis einzukaufen, sondern bewusst auf den Sale warten. Dabei ist den Schnäppchenjägern nicht bewusst, dass ihr Sale-fixiertes Einkaufsverhalten enorme Auswirkungen auf Gesellschaft und Umwelt hat.

Sale – Auswirkungen auf Gesellschaft & Umwelt

Immer mehr deutsche Unternehmen verlagern ihre Produktionsstätten ins Ausland, denn dort sind die Aufwandskosten deutlich niedriger. Als logische Konsequenz verlangt der Sale im Produktionspreis ein entsprechend niedriges Lohnniveau. Die Folgen unseres billigen Einkaufens verspüren wir hier nicht. Dafür leiden ArbeiterInnen in Asien – vermehrt in China, Bangladesch und der Türkei – unter unserem Konsumverhalten. So berichtet eine Näherin aus Myanmar in einem Artikel der ZEIT, dass die ArbeiterInnen bis zu 20 Stunden pro Monat ohne Bezahlung arbeiten müssen, wenn sie das Produktionssoll nicht erreichen. Vor allem während des Sales werden ArbeiterInnen in der Produktion nicht selten dazu gezwungen, Überstunden zu machen, da die Nachfrage aus dem Westen zu groß sei. Verweigern sie, werden sie nicht selten fristlos entlassen.

Onlineshopping – Treibstoff für Transport

Neben den unmenschlichen Bedingungen, unter denen viele ArbeitnehmerInnen im Ausland für unsere reduzierten Produkte arbeiten müssen, ist auch der Einfluss auf die Umwelt durch den alljährlichen Sale drastisch. Insbesondere das Online-Geschäft kann als Mitverursacher des Klimawandels herangezogen werden. Je billiger der Artikel, desto eher neigt der Käufer dazu, einfach mal drauf los zu bestellen, und dementsprechend auch wieder (meist sogar kostenfrei) zurückzuschicken. Könnt ihr euch vorstellen, was für eine Summe an Treibstoff allein für die Transportkosten ausgestoßen wird? Unser Umgang mit Mode ist laut Kirsten Brodde, Textil-Expertin von Greenpeace, wortwörtlich verwerflich. 5,2 Milliarden Kleidungsstücke liegen laut einer Greenpeace-Studie aus dem Jahr 2015 in deutschen Schränken. 40% werden nach eigenen Angaben der Träger selten oder nie getragen.

Die Kurzlebigkeit unserer Klamotten belegt auch das Institut NuggetDieses befragte 1011 Personen zwischen 18 und 69 Jahren und stellte fest, dass Frauen im Durchschnitt 118 Kleidungsstücke, Männer hingegen – Strümpfe und Unterwäsche exklusive – 73 Items besitzen. 1/3 der Deutschen besitzt sogar doppelt so viele Kleidungsstücke. 2/3 der Kleidung wird nach Angaben aussortiert, weil sie schlichtweg nicht mehr gefällt, 1/3 der Befragten schmeißen Klamotten weg, weil sie Platz im Schrank schaffen wollen. Außerdem kam ans Licht, dass 83% der Deutschen noch nie ein Kleidungsstück getauscht, 2/3 noch nie eines verliehen und über die Hälfte noch nie Kleidung weiterverkauft hat. Verblüffend ist aber, dass sich über die Hälfte Garantien auf ihre Kleidung wünscht. Ziemlich paradox.

Kurzlebigkeit & Wegwerfmentalität

Das Problem liegt in unserer Wegwerfmentalität. Globalisierte Massenkommunikation triggert und sorgt permanent dafür, dass wir eine Sucht nach Mehr entwickeln. Wir finden jedoch: Anstatt immer mehr zu konsumieren, sollten wir eher weniger und bewusst einkaufen. Ein Credo, das wir auch bei Bridge&Tunnel verinnerlicht haben. Durch die Fertigung von zeitlosem Design sollen unsere Produkte unsere Kunden nicht nur eine Saison, sondern möglichst lange begleiten.

Zum Glück gibt es mittlerweile eine Vielfalt an Alternativen zum herkömmlichen Konsum: Kleidertauschparties, Flohmärkte und Secondhand Läden, aber auch Online-Plattformen wie Kleiderkreisel können Shoppinglustigen dabei helfen, ein neues Lieblingsstück aufzuspüren – und zwar ohne den herkömmlich Konsumkreislauf bedienen zu müssen. Wer Lust hat, hier neu zu denken, wird erstaunt sein (wir sprechen aus eigener Erfahrung), wie schnell man es sich abgewöhnen kann, sich von Sale-Angeboten angesprochen zu fühlen. Es ist, wie so vieles im Leben, ein Prozess der Bewusstmachung, der eine erstaunliche Abhärtung gegenüber kurzweiligen Verheißungen zur Folge hat, und stattdessen ein Gefühl erstarken lässt, das Konsum nicht als Hobby, sondern als wohlüberlegte Entscheidung begreift. Und mit dem – nebenbei bemerkt – Shoppen gleich wieder viel mehr Spaß macht. Mode soll Spaß machen, das ist aber auch ohne Fast Fashion möglich! Und schont nebenbei nicht nur den eigenen Geldbeutel, sondern auch unsere Umwelt und die Menschen, die in der Fashionproduktion arbeiten.

Konsum als bewusste Entscheidung

Deshalb werdet ihr bei Bridge&Tunnel vielleicht Specials zu besonderen Anlässen, aber keine kontinuierlichen, halbjährlichen Sale-Angebote finden. Das Prinzip der zwanghaften Preissenkung steht unserer Philosophie, qualitativ hochwertige Produkte herzustellen und die Person, welche stundenlang daran gearbeitet hat, gerecht zu entlohnen, diametral entgegen. Für uns ist vor allem Transparenz wichtig: WIE werden unsere Rucksäcke oder Handtaschen hergestellt und WER hat sie genäht? Das sollen auch unsere TrägerInnen wissen.

Beitragsbild via redeemed_collective