Geht Weihnachten auch nachhaltig?

Ein Gastbeitrag von Vanessa Marbell.

Geht Weihnachten auch nachhaltig?

Weihnachten steht vor der Tür. Und wenn ich an die kommenden Wochen und Tage denke, dann graut es mir ein wenig. Nicht, weil ich keine Befürworterin von Weihnachten bin. Nein, ganz im Gegenteil, ich liebe Weihnachten! Der Zauber, der sich durch den Plätzchengeruch, die vielen Lichter auf den Straßen und den leuchtenden Augen meiner Kinder breit macht. Ich liebe das. Was ich weniger liebe, ist der Stress. Und die unnötig hohen Ansprüche an ein perfektes Weihnachten. Und wenn ich an mein perfektes Fest denke, dann merke ich, dass ich mit den Jahren dem Konsummonster schleichend auf dem Leim gegangen bin, dass das immer nur mit dem ganz besonderen Geschenk und der ganz außergewöhnlichen Weihnachtsdeko funktionieren kann. Wodurch das ausgelöst wurde? Durch meine Kinder. Und das bitte jetzt nicht falsch verstehen. Ja meine Kinder können manchmal kleine Monster sein, aber das ist eine andere Geschichte. Nein, was ich meine, ist die Tatsache, dass Weihnachten nun mal ein Kinderfest ist. Und dementsprechend läuft die Marketingmaschinerie auf sämtlichen Social-Media Kanälen bei mir auf Hochtouren, seitdem bekannt ist, dass ich Kinder habe. Und ich bin eiskalt darauf reingefallen.

Was soll das Fest für uns sein?

Bei allem Pathos auf die besinnliche Zeit. Weihnachten ist und bleibt ein Fest des Konsums. Daran wird sich auch in nächster Zeit nichts ändern. Was also tun? Ich denke durchatmen und evtl. das Handy ausschalten (oder zumindest auf lautlos) wäre schon mal eine gute Sache… Denn seien wir mal ehrlich, unsere Zeit ist kostbar. Aus diesem Grund können wir uns ganz bewusst für ein stilles, nachhaltiges Weihnachtsfest entscheiden.

Wenn ich mit meinen Kindern über Weihnachten spreche, dann ist das Thema Geschenke natürlich nicht weit. Mit jedem Jahr, das sie größer werden, werden auch die materiellen Wünsche eindeutiger. Im Allgemeinen würde ich sagen, sind meine Mädchen relativ genügsam. Aber je älter sie werden, desto genauer wissen sie natürlich, was ihnen gefällt und wie ihre Wünsche aussehen. Bis zu einem gewissen Punkt finde ich das auch total in Ordnung. Nur frage ich mich immer mehr, was ich meinen Kindern für dieses Fest mitgeben will. Und nicht nur für Weihnachten, sondern auch die Werte, die ich ihnen für ihr Leben mitgeben möchte.

Präsente ja, Geschenkewahn nein?

Lässt sich das so einfach realisieren? Ein Versuch ist es allemal wert. Denn soll der Zauber einzig und allein aus Geschenken und anderweitigem Konsum bestehen? Wenn wir uns schon mit dem Thema Geschenke beschäftigen, dann liegt es doch ziemlich nah, etwas weiter über den Tellerrand zu schauen. Denn seien wir doch mal ehrlich, was brauchen wir wirklich? Noch ein super hippes Barber Set für den Mann und die sexy Unterwäsche, die Mutti Silvester ganz bestimmt (nicht) anziehen wird. Ich vermute nicht, aber vielleicht irre ich mich ja…

Wenn meine Kinder dieses Jahr also ihren Adventskalender bekommen, dann ist neben den üblichen Verdächtigen auch Zeit im Angebot. Zeit, die ich meiner Familie schenken will. Weil neben dem ganzen Alltagsstress genau das auf der Strecke bleibt. Aus diesem Grund werden wir dieses Jahr ganz bewusst Zeit zusammen verbringen. Ein Gutschein fürs Kekse backen, diverse Basteleien und mit der Großen werde ich, ganz vorweihnachtlich, ins Theater gehen. Und für die Erwachsenen? Einfach weniger von allem und ein bisschen mehr bewusstes nachhaltiges Tun. Das Weihnachtsoutfit wird dieses Mal nicht neu sein, einfach, weil ich so viele schöne Teile in meinem Schrank hängen habe, die nicht unsexy werden, nur weil ich sie schon mal anhatte.

Vor allem geht es mir darum, dass meine Kinder verstehen, was hinter all dem Trubel steckt. Weihnachten kann so viel mehr sein als Konsum. Es kann eine Möglichkeit bieten, Menschen zu begegnen, mit denen wir sonst vielleicht nicht so viel in Kontakt kommen. Und mit Anderen Zeit zu verbringen kann so bereichernd sein, nicht nur für Kinder.

Da wir mit unseren Kindern in einem sehr diversen Stadtteil von Frankfurt leben, bieten sich hier einige Möglichkeiten, Neues über andere Bräuche und Feste zu erfahren. Wie feiern eigentlich andere Menschen Weihnachten? Feiern überhaupt alle Leute Weihnachten? Das sind Fragen, die sich meine Kinder, jetzt wo sie etwas älter sind, immer häufiger stellen. Denn sie sehen die anderen Kinder im Kindergarten, die z. B. aufgrund einer anderen Religion einen ganz anderen Blick auf dieses Fest haben. Das ist spannend und lässt uns ganz neue Perspektiven einnehmen. Integration fängt meiner Meinung nach vor allem dann an, wenn man neugierig ist und Fragen stellt.

Die Wertschätzung der Dinge

Was ich mir davon erhoffe? Das wir nachhaltiger mit unserer Zeit, unseren Begegnungen und Geschenken umgehen. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass meine Kinder diesen besonderen Zauber von Weihnachten, mit den Lichtern, dem besonderen Duft und festlichen Liedern in Erinnerung behalten. Aber auch, dass Sie den Wert der Zeit und die vielen verschiedenen Menschen um sich herum erinnern und wertschätzen. Weihnachten kann so viel mehr sein als ein Märchen, wenn wir nur wollen. Wenn wir wollen, können wir die Zukunft und das Selbstverständnis von einer wandlungsfähigen Gesellschaft, die nachhaltig investiert, mitprägen. Ich glaube, unsere Kinder hätten große Lust dazu.

Für dieses Fest nehme ich mir auf jeden Fall vor, es mit meiner Familie ruhiger anzugehen: für mehr Zeit, weniger Stress und außergewöhnliche Begegnungen und besondere Geschenke.


Zur Person:

Mit Ihrer Familie lebt Vanessa Marbell zurzeit in Frankfurt. Nach dem Studium und einigen lehrreichen Jahren in der Mode-Welt genießt sie es, nicht jedem Trend hinterherlaufen zu müssen. Neben klassischen Marketinginhalten schreibt die freie Texterin mit Vorliebe über diverse Themen, die neue und interessante Inhalte wiedergeben.