Fair Fashion ABC

B&T WORKING LAB l Fair und Fast Fashion – was ist das eigentlich und was macht diese verschiedenen Ansätze der Modeindustrie aus? In unserem Lexikon lernt ihr, Fair Fashion zu “sprechen”, denn wir erklären euch in kurzer Form alle wichtigen Begriffe, die euch im Universum der nachhaltigen und fairen Modewelt oft begegnen. Ihr habt Ergänzungen? Dann schreibt uns unter info@bridgandtunnel.de.

A

Attitude-Behaviour-Gap

Viele Konsument:innen möchten nachhaltiger shoppen und kaufen entgegen ihrer Überzeugung trotzdem Fast Fashion oder Fleisch aus Massentierhaltung. Diesen Unterschied zwischen grundsätzlicher Einstellung und tatsächlichem Verhalten beschreibt das „Attitude-Behaviour-Gap“.

Ananasleder

Diese Faser ist eine neue vegane Alternative zu herkömmlichem tierischem Leder und wird aus Ananasblättern produziert. Ananasblätter fallen bei der Ananasernte als Abfallprodukt an und sind, umgewandelt in einen nicht gewobenen Textilstoff, optischem Tierleder sehr ähnlich und überaus stabil. Ähnliche Methoden wendet man z.B. auch für die Herstellung von Apfelleder aus Apfeltresten an.

Arbeitsbedingungen

Betriebe im Bereich Konfektion (z.B. Nähereien) sind durch ein hohes Maß an Handarbeit geprägt. Hier gilt es, ethisch korrekte Arbeitsbedingungen wie faire Entlohnung, Einhaltung der Arbeits- und Urlaubszeiten, Abgelten von Überstunden, Achtung der Menschenrechte mit einem besonderen Augenmerk zu implementieren.

Audit

Ein Audit ist eine Bestandsaufnahme der aktuellen Arbeitssituation in einem Betrieb. Fair Fashion Betriebe haben sich in besonderer Art einer Transparenz und Verantwortung verschrieben, die nur durch eine detaillierte Bestandsaufnahme und die Dokumentation von Veränderungen möglich ist.

B

Bio-Baumwolle

Beim Anbau von Bio-Baumwolle dürfen im Gegensatz zu herkömmlicher Baumwolle weder Gentechnik noch synthetische Pestizide und Düngemittel eingesetzt werden. Und durch eine nachhaltige Bewirtschaftung können bis zu 90 Prozent Wasser eingespart werden. Allerdings bezieht sich die häufig ausgewiesene Kennzeichnung „nachhaltige“ bzw. „Bio-Baumwolle“ leider nur auf den umweltschonenden Anbau und nicht auf die sozialen Aspekte in der Herstellung und Weiterverarbeitung.

Blauer Engel-Siegel

Der Blaue Engel steht für eine ressourcenschonende Produktion und die Verwendung von 100 % Bio-Baumwolle. Dabei spielen auch ein respektvoller Umgang mit Gesundheits- und Arbeitsschutz, Langlebigkeit und nachhaltige Entsorgung eine große Rolle.

C

Capsule Wardrobe

Bezeichnet eine minimalistisch geprägte Mode- und Kleiderschrank-Methode und bedeutet zu deutsch „Kapsel-Garderobe“. Ziel ist es, den Kleiderschrank auf das Nötigste zu reduzieren und nur ausgewählte und zeitlose Teile zu besitzen, die sich vielfältig miteinander kombinieren lassen und nicht aus der Mode kommen. Viele Vertreter:innen schaffen es tatsächlich, mit nur 40 Kleidungsstücken inkl. Schuhen und Taschen auszukommen. Die Capsule Wardrobe steht auch für das Bewusstsein, Impulskäufe zu vermeiden und bewusster shoppen zu gehen.

Circulose

Dabei handelt es sich um ein chemisch recyceltes Material, das aus „aufgelöstem Zellstoff“ hergestellt wird und danach ohne Zusätze zu Garn, Stoff und Kleidungsstücken weiterverarbeitet werden kann. Der Herstellungsprozess ähnelt dem Zellulose-Verfahren mit dem wesentlichen Unterschied, dass als Basis 100% ausrangierte Baumwolltextilien genutzt werden.

Chemiefasern

Überbegriff für alle nicht in der Natur vorkommenden Fasern. Es gibt Chemiefasern auf Zellulose-Basis (z.B. Viskose, Acetat) sowie Chemiefasern auf synthetischer Basis, die auch Synthetics genannt werden (z.B. Polyester, Polyamid). Inzwischen wurden zahlreiche innovative umweltfreundliche Chemiefasern entwickelt, die nicht auf Mineralölen, sondern z.B. auf Biopolymeren wie Milch oder Algen basieren.

Chemikalien

Bei der Herstellung konventioneller Kleidung werden Farbstoffe, Färbebeschleuniger oder Bleichmittel eingesetzt, die für knitterfreie, glänzende und schimmelabweisende Stoffe sorgen. Aber die verwendeten Chemikalien, zum Beispiel Formaldehyd, Chlor, Chrom VI oder Kaliumpermanganat sind hochgradig giftig für Mensch und Natur und teilweise auch hochentzündlich.

Corporate Social Responsibility

CSR bezeichnet die Verantwortung eines Unternehmens im Sinne der Nachhaltigkeit. Dies beinhaltet die Verantwortung gegenüber den Mitarbeitenden, der Gesellschaft, der Umwelt und des wirtschaftlichen Umfeldes.

Cradle-to-cradle

Wortwörtlich übersetzt heißt der Begriff „von der Wiege zur Wiege“ und meint, biologische Stoffe wieder in biologische Kreisläufe zurückzuführen. Konkret heißt das, dass ein Kleidungsstück so hergestellt wird, dass es im Ganzen recycelt und neu produziert werden kann, ohne weitere Aufspaltung und Textiltrennung. Es ist ein Idealkonzept, welches alle technischen und biologischen Prozesse bei der Entwicklung, Herstellung und Nutzung sowie der späteren Rücknahme eines Produktes beinhaltet und einen geschlossenen Kreislauf bildet, in dem kein Müll produziert wird.

D

DIY

Abkürzung für die Bezeichnung „Do-it-yourself“. Im Wesentlichen geht es darum, etwas selbst zu machen/herzustellen, anstelle es neu zu kaufen.

Diversität

Diversität ist ein komplexes Thema. In der Mode geht es dabei um Fragen der Repräsentation und Inklusion, da die konventionelle Modebranche sehr eindimensional und eurozentristisch geprägt sind. Akteursgruppen, die nicht der weißen, binär gelesenen, körperlich unversehrten Norm entsprechen, finden oft nicht statt. Wir begegnen noch viel zu oft Diskriminierungsformen wie Rassismus, Ableismus, Homo- und Transfeindlichkeit, Genderdiskriminierung sowie Schönheitsbildern, die bestimmte Menschen ausschließen. Mehr dazu lest ihr auch in unserem Anti-Rassismus Lexikon.

DNP

Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis (DNP) zeichnet seit 2008 jährlich die nachhaltigsten Unternehmen, Produkte, Marken und Konzepte aus. Ziel ist es, vorbildlich nachhaltige Firmen „zu belohnen“ und ihnen durch den Preis eine würdige öffentliche Aufmerksamkeit für ihr Engagement zu geben und die Gesellschaft somit nachhaltig voranzutreiben.

Downcycling

Downcycling ist eine Form der Wiederverwertung von Müll (Recycling), wobei die betroffenen Materialien durch den Weiterverarbeitungsprozess jedoch an Qualität verlieren und ein weniger wertiges Endprodukt als zuvor entsteht. Dies geschieht in der Modeindustrie im großen Stil mit Altkleidern, denn aufgrund fehlender Technik werden aus den wenigsten Kleidungsstücken neue Qualitätsprodukte wie Hosen oder Shirts, sondern bislang eher Füllmaterial oder Putzlappen. Mehr dazu erfahrt ihr der 9.Episode unseres Podcasts Talk Slow mit Thomas Ahlmann vom Dachverband FairWertung.

DWR

Abkürzung für „Durable Water Repellency“. Übersetzt heißt es „dauerhaft wasserabweisend“ und bedeutet in Bezug auf Outdoorbekleidung, dass durch eine spezielle Imprägnierung auftreffender Regen einfach vom Obermaterial der Kleidung abperlt. Bisher basierten diese imprägnierten Ausrüstungen häufig auf giftigen Fluorcarbonen (PFC) – Verbindungen, die nicht abbaubar und persistent sind. Inzwischen gibt es nachhaltige Alternativen, die durch Material und Herstellungsart von sich aus wasserabweisend sind und die keiner chemischen Imprägnierung bedürfen.

E

Earth overshoot day

Der sogenannte „Erdüberlastungstag“ oder „Welterschöpfungstag“ bezeichnet den Tag, an dem die Gesamtmenschheit alle natürlichen Ressourcen aufgebraucht hat, die die Erde innerhalb eines Jahres wiederherstellen kann. Aufgrund der weltweiten Corona Pandemie und der damit einhergehenden Wirtschafts-, Flugverkehrs-, Tourismuseinbrüche verschob sich der Earth overshoot day vom 29. Juli 2019 auf den 22. August 2020.

Eco Fashion

Dieser Begriff steht für „aus ökologischen Materialien hergestellte Mode“. Hierbei werden nur Umweltaspekte, keine Sozialstandards etc. betrachtet.

Ecocert

Dieses Siegel kennzeichnet Kleidung, die sowohl umweltverträglich hergestellt als auch unter sozial gerechten Bedingungen produziert wird.

ECONYL®

Bezeichnung für eine zu 100 % regenerierte und regenerative Faser, die aus kaputten und unbrauchbaren Fischernetzen, aus alten Teppichen und anderen Nylonabfällen und -wertstoffen hergestellt wird. Innovative Technologien ermöglichen inzwischen, aus diesen Abfällen ein Premium-Garn, das sogenannte ECONYL® Garn zu produzieren, aus dem feinste Materialien gewebt werden können.

Enzymwäsche

Enzyme sind Eiweiße, die in Pflanzen, Tieren und im menschlichen Körper vorkommen. Durch die Behandlung mit natürlichen Enzymen bekommen Textilien einen weicheren Griff, erhalten einen fließenderen Fall und knittern weniger. Problematisch ist die Genmanipulation vieler Enzyme, die in der konventionellen Textil- und Bekleidungsindustrie zum Einsatz kommen.

Erneuerbare Energien

Erneuerbare Energien sind das Gegenteil von fossilen Energiequellen. Damit sind sie ein wesentlicher Baustein von Nachhaltigkeit. Erneuerbare Energien gelten im Kontext des menschlichen Zeithorizonts als unerschöpflich. Beispiele sind die Wind-, Wasser und Sonnenkraft oder auch Geothermie.

Ethical Fashion

Bezeichnet ethisch und ökologisch korrekt gefertigte Mode. Das heißt, dass die Kleidung nachhaltig, umweltschonend und unter fairen Produktionsbedingungen aus ökologisch abbaubaren Materialien und unter Verzicht von Chemikalien und synthetischen Chemiefasern hergestellt wurde.

Existenzsicherung

Ein Lohn, der die Lebenshaltungskosten von Arbeiter:innen und abhängigen Familienangehörigen abdeckt und angemessene Rücklagen für Notsituationen und Vorsorge ermöglicht, wird als existenzsichernd beschrieben. In den meisten Produktionsländern ist der Mindestlohn leider genau das Gegenteil: nicht existenzsichernd. Mehr dazu erfahrt in der 4.Folge unseres Talk Slow Podcast mit der Clean Clothes Campaign.

F

Fair Fashion

Bezeichnung für Mode, die nicht nur ethisch, sondern auch ökologisch korrekt gefertigt wird, d.h. die Kleidung wird unter humanen und fairen Arbeitsbedingungen gefertigt und schont und schützt die Umwelt.

Fair Trade

Der Begriff “fairer Handel” bezieht sich vor allem auf den kontrollierten Handel und die gerechte(re) Verteilung von Verkaufserlösen. Denn der Kauf von fair gehandelten Produkten beinhaltet angemessene Preise für die Rohstoff-Bauern, faire Löhne, eine Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen von Näher:innen sowie keine Kinder- und Zwangsarbeit. Gleichzeitig bedeutet es auch einen Schritt in Richtung Nachhaltigkeit, da häufig auf umwelt- und ressourcenschonende Verfahren etwa beim An- und Abbau geachtet wird.

Fairtrade-Siegel

Das Siegel kennzeichnet Produkte, die zu fairen Preisen gehandelt werden und so menschenwürdige Arbeits- und Lebensbedingungen unterstützen.

Fair Wear Foundation (FWF)

Die gemeinnützige Fair Wear Foundation hat sich zum Ziel gesetzt, die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie zu verbessern.

Fake Fur

Der Pelzimitat bzw. Kunstpelz wird in der Modeindustrie als Ersatz für Produkte aus echtem Tierfell oder -pelz verwendet. Das synthetisch hergestellte Fellimitat ist Plüsch ähnlich und besitzt einen hohen Flor (Fasern, die aus einem Gewebe abstehen).

Fashion Revolution Day

Dieser weltweite Erinnerungstag findet im Gedenken an den Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza 2013 in Bangladesch statt und wurde von der globalen Organisation “Fashion Revolution” ins Leben gerufen. Das Motto „Who made my clothes?“ soll nicht nur an die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie erinnern, sondern auch daran, dass dieser Zustand dringend bekämpft werden muss. Die Organisatoren wollen mit dem Aktionstag ein Bewusstsein schaffen für faire Mode, zum Umdenken anregen, auf Defizite hinweisen und fordern von der Politik, nachhaltig für Transparenz und faire Arbeits- und Rahmenbedingungen in der Textilindustrie zu sorgen. Auch in Hamburg finden mit der Hamburger Fashion Revolution Aktionsgruppe jährlich spannende Aktionen statt, wie die Installation in 2021.

Fast Fashion

So wird die profitorientierte Geschäftsstrategie des Textilhandels genannt, bei dem in hoher Frequenz ständig neue Trends geschaffen werden, das Sortiment stetig verändert und die Haltbarkeitsdauer der verwendeten Materialien verkürzt wird, damit Menschen immer wieder neue Kleidung kaufen. „Wegwerfen und Neu kaufen“ lautet die Devise.

Aber nicht nur Arbeiter:innen leiden aufgrund der Niedriglöhne und der menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen unter Fast Fashion – auch die Umwelt, das Erdklima, die natürlichen Ressourcen und die Gesundheit von allen Konsumierenden, die schlussendlich die chemisch behandelte Billig-Kleidung tragen.

Fully Fashioned

Fully Fashioned ist eine Verarbeitungsweise von Strickwaren. Dabei kann die Strickware ohne Zuschnitt – so wie sie von der Maschine kommt – zum Bekleidungsstück zusammengenäht werden. Es entsteht also kein Abfall aus Verschnitt. Auch wer selbst von Hand strickt, strickt ein Kleidungsstück ohne Verschnitt in Form.

Funktionskleidung

Witterungsbeständige Mode für Draußen enthält Chemikalien, sogenannte Kohlenwasserstoffe (PFC), die verarbeitet werden, um die Spezialtextilien wetterfest und atmungsaktiv zu machen. Diese sehr persistenten chemischen Stoffe kommen ursprünglich nicht in der Natur vor und werden in der Umwelt nur über extrem lange Zeiträume abgebaut. Inzwischen entwickeln Unternehmen zunehmend umweltfreundliche Alternativen (-> DWR)

G

Global Organic Textile Standard (GOTS)

GOTS ist eines der striktesten und bekanntesten Standard-Gütesiegel für Ökokleidung. GOTS zertifizierte Kleidung muss zu 90% aus Naturfasern hergestellt sein, mindestens 70% davon aus biologischem Anbau. Außerdem müssen soziale und arbeitsrechtliche Standards eingehalten werden wie zum Beispiel keine Kinder- und Zwangsarbeit, die Einhaltung ortsüblicher Mindestlöhne, vertragliche Arbeitsbedingungen und Arbeitsschutzmaßnahmen.

Greenwashing

Hinter diesem Trend – wörtlich übersetzt „grün waschen“ – steckt der gezielte Versuch, sich mit Marketing- und PR-Maßnahmen ein ökologisch einwandfreies und nachhaltiges Image zuzulegen – dabei aber kaum entsprechende Maßnahmen im Rahmen der Wertschöpfung zu implementieren. Im Fokus steht vor allem das wirtschaftliche Interesse von Bekleidungsfirmen. Greenwashing ist ein Phänomen, welches oft und gerne von Unternehmen eingesetzt wird, die sich nachhaltiger und umweltbewusster darstellen wollen als es der Realität entspricht. Für uns stellt diese Praxis einen echten Affront dar, da Konsument:innen bewusst getäuscht werden.

H

Hanf

Hanf ist eine vegane formstabile Naturfaser, die zugleich unempfindlich und robust ist und dennoch sehr fein gestrickt oder gewebt werden kann. Die glatte Oberfläche schimmert leicht und zeichnet sich gleichzeitig durch äußerste Widerstandsfähigkeit aus. Hanf kann bis zu 30% seines Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen, ohne dass sich das Kleidungsstück nass anfühlt.

I

Indigo

Indigo ist ein organisches Pigment mit schwärzlich-blauem Farbton. Die Pflanzen, aus denen Indigo gewonnen werden kann, sind in vielen Teilen der Welt zu finden. Die namensgebende Pflanze, Indigofera tinctoria L., stammt aus Indien. Im Jahr 1878 gelang dem deutschen Chemiker Adolf von Baeyer die erste künstliche Herstellung von Indigo, weshalb heute fast der gesamte Indigobedarf durch künstliche Herstellung gedeckt wird. Schon 1914 hatte der natürliche Indigo nur noch vier Prozent Marktanteil. Mehr zu Indigo lest ihr auch auf unserem Blog.

J

Jevons-Paradoxon

Unter dem Jevons-Paradoxon versteht man eine Beobachtung von William Stanley Jevons, der zufolge technischer Fortschritt, der die effizientere Nutzung eines Rohstoffes erlaubt, letztlich zu einer erhöhten Nutzung dieses Rohstoffes führen kann, statt sie zu senken. Heutzutage wird oft auch vom Rebound-Effekt gesprochen. In der Modeindustrie zeigt sich dieser Effekt beispielsweise daran, dass Individuen umso größere Mengen an Kleidungsstücken kaufen, wenn diese als “nachhaltig” deklariert sind. Die nachhaltigen Bemühungen werden durch ausufernden Konsum konterkariert.

K

Kleidertausch

Warum immer gleich neu kaufen? Es gibt immer mehr Plattformen, die ihren Nutzer:innen die Möglichkeit bieten, Kleidung zu tauschen. Das kostet weniger, ist nachhaltig und schont Ressourcen. Kleider tauschen kannst Du zum Beispiel über Plattformen wie Vinted oder auf Kleidertauschpartys. Angekündigt werden solche Veranstaltungen unter anderem hier.

Kontrolliert biologisch (KbA / KBT)

Die Bezeichnung „Kontrolliert biologischer Anbau“ (KbA) folgt, genau wie die Nennung „Kontrolliert biologische Tierhaltung“ (KbT), klaren Regelungen und strengen Produktions- und Verarbeitungsrichtlinien.

Kollektionszyklus

Die Fast Fashion Industrie produziert inzwischen fast wöchentlich schnell und günstig neue Kleidungsstücke, die sich dann massenweise in Läden oder Onlineshops finden. In der Folge entsteht ein Produktionsdruck zwischen den Modeketten, um im Markt mithalten zu können. Liefertermine werden immer knapper, die Materialqualität immer schlechter, die Löhne immer niedriger und Handlungspraktiken ökologisch immer unverantwortlicher – alles, um dem Wettbewerbsdruck standhalten zu können. Diese Kombination aus schlechter Qualität und niedrigen Preisen führt zu einer verkürzten Nutzungsdauer und einer erhöhten Entsorgungsrate durch die Konsument:innen.

Kreislaufwirtschaft

Eine Kreislaufwirtschaft strebt die längst mögliche Nutzung von Produkten und Rohstoffen an. Das Ziel ist es Abfälle durch Wiederverwendung und Reparatur bestehender Produkte zu vermeiden. Ist das nicht möglich, wird ein Produkt am Ende der Lebensdauer in seine Rohstoffe zerlegt und wieder in einen Produktionsprozess zurückgeführt. Auf diese Weise werden sowohl Ressourcen gespart als auch Müll vermieden.

Kunstfasern

Diese Fasern werden – in Abgrenzung zu Naturfasern – in einem chemischen Prozess künstlich hergestellt. Ausgangsstoff ist der nicht nachwachsende Rohstoff Erdöl.

Kunstfasern mit natürlichen Ausgangsstoffen

Der Ausgangsstoff für Chemiefasern mit natürlichem Ursprung wird aus natürlich vorkommenden, nachwachsenden Rohstoffen gewonnen z.B. Holz, Milch oder Sojabohnen.

L

Lachsleder

Gegerbte Lachshaut, sog. Lachsleder, ist ein Nebenprodukt der Fischerei, auf das die Eco Fashion für ihre Produktion u.a. von Accessoires wie Taschen und Gürtel zugreift, ohne dass dafür Lachse gezüchtet, gefangen oder getötet werden muss.

Lederfaserstoff (LEFA)

In der Lederproduktion fallen große Mengen an Schleifstaub, Falzspänen und Verschnittresten an. Lederfaserstoff (auch “LEFA”, “Bonded Leather”, “Reconstituted Leather”, “Faserkunstleder”) wird aus diesen Produktionsabfällen mithilfe von Bindemitteln als Bahnenmaterial produziert. Es hat ähnliche Eigenschaften wie Leder, ist homogen aufgebaut und vergleichsweise günstig.

Lederalternativen

Mittlerweile gibt es vegane Ersatzstoffe, die Leder in seiner Robustheit und Materialbeschaffenheit sehr ähnlich sind wie z.B. -> Ananasleder oder Apfelleder.

Lieferkettengesetz

Dieses vieldiskutierte Gesetz soll dazu führen, dass deutsche Unternehmen ihrer Verantwortung entlang der textilen Lieferkette nicht länger nur freiwillig nachkommen, sondern diese verbindlich gelten. Ziel ist es, Verletzungen von Umwelt- oder Sozialstandards in den eigenen Lieferketten zu verhindern. Firmen müssen ganz klar Verantwortung übernehmen und ihrer unternehmerischen Sorgfaltspflicht nachkommen, wo und unter welchen Umständen ihre Produkte hergestellt werden. Das Lieferkettengesetz wurde am 11.06.2021 im Bundestag beschlossen und soll ab 2023 gelten. Wie viele andere, die sich seit langer Zeit für das Lieferkettengesetz stark gemacht haben, freuen wir uns darüber sehr und wissen doch gleichzeitig, dass das derzeitige Gesetz noch nicht genug ist. Eine kritische Analyse des Gesetzes findet sich beispielsweise bei der “Initiative Lieferkettengesetz”.

Linearwirtschaft

Ist die Bezeichnung für die vorherrschende Wegwerfwirtschaft, bei der ein großer Teil der Produkte nach ihrer Nutzung auf Deponien landen oder verbrannt werden.

Living Wages

So bezeichnet man existenzsichernde Mindestlöhne, die zur Befriedigung der materiellen Bedürfnisse notwendig sind wie Nahrung, Kleidung, Wohnung und eine medizinische Notfallversorgung. Living Wages sind also Löhne, die ein Leben finanzieren können.

Lyocell

So nennt man Chemiefasern auf Zellulose-Basis. Im Vergleich zur Herstellung von Viskose, Acetat und Cupro ist diese umweltfreundlicher. Bekanntestes Markenprodukt ist Tencel. Einige der Eigenschaften von Lyocell sind: wolliger oder baumwolliger Griff, gut kombinierbar mit Naturfasern, pflegeleicht und angenehmes Tragegefühl.

Lokalproduktion

Kleidung sollte idealerweise dort produziert und gefertigt werden, wo sie verkauft wird. Das bezieht auch die Stoffherstellung mit ein. Das spart unnötige Transportwege und somit CO2, sichert Arbeitsplätze und trägt somit zu einer stabilen Wirtschaft mit kurzen Lieferketten bei.

M

Made to order

Die Produktion eines Artikels erfolgt hier erst NACH der Bestellung durch den/die Kund:in. Auf diese Weise können Konfektionierungen erfüllt werden, Lagerkosten und Überproduktionen werden vermieden.

Material

Kleidung oder Wohnaccessoires können aus verschiedensten Materialien bestehen. Der Trend geht immer mehr zu natürlichen Materialien wie Bio-Baumwolle und Leinen. Nicht nur, weil sie deutlich weniger umweltschädlich als chemisch hergestellte Materialien, sondern auch wegen ihres angenehmen Trage- und Hautgefühls.

Mietgarderobe

Kleidung zu mieten lohnt sich nicht nur bei besonderen Anlässen, sondern kann auch komplett die eigene, zu besitzende Garderobe ersetzen. Mittlerweile gibt es in fast jeder größeren Stadt die Möglichkeit (bestimmte) Kleidung zu mieten. Sei es ein extravagantes Abendkleid, die passende Montur für den nächsten Ski-Urlaub, aber auch saisonale Fashion Pieces, die uns vielleicht nur für kurze Zeit begleiten. Mieten kannst du tolle Kleidung beispielsweise für Frauen bei der Kleiderei oder Männermode bei POOL.

Mikroplastik

Kleinste Plastikteilchen, die in fester nicht löslicher Form vorliegen und einen Durchmesser unter 5 mm haben, werden als Mikroplastik bezeichnet. Zum einen entsteht Mikroplastik, wenn größere Plastikgegenstände unter Einwirkung von Sonne und Salzwasser langsam in Kleinstpartikel zerfallen (=sekundäres Mikroplastik), aber auch als Straßenabrieb, durch Autoreifen, durch Kosmetik, durch Körperpflegeprodukte oder eben durch Waschen von Kleidung (primäres Mikroplastik). Nicht nur Sportkleidung oder Fleece, sondern extrem viele Kleidungsstücke enthalten Synthetik- und Kunstfasern wie Polyester, Polyamid, Polyacryl, Nylon, Elasthan oder Mikrofaser. Weil Kunstfaser günstig ist, werden daraus auch ganz alltägliche Shirts, Pullover, Leggings oder Socken gemacht – besonders oft Billigmode-Teile.

Minimalismus

Minimalismus bezeichnet in der Mode einen Style, der sich durch schlichte Geradlinigkeit, klare Linien und schnörkellose Designs auszeichnet. Typisch minimalistische Styles sind einfarbige Blusen, Röcke oder Hosen mit geradlinigem Schnitt. Auch in der Farbgebung hält sich minimalistische Mode zurück: Grau- und Pastelltöne unterstreichen das puristische Design und wirken dezent und unauffällig. Die Stoffe sind strukturarm und wenig aufwendig, wenngleich sie durchaus sehr hochwertig sein können. Im Konzept der ->Capsule Wardrobe kommt Minimalismus häufig zum Tragen.

Manufacturing Restricted Substances LisT (MRSL)

Auf dieser Liste werden alle Chemikalien aufgeführt, die im Produktionsprozess beschränkt oder komplett verboten sind.

Modal

Bezeichnung für ein Gewebe, das auf chemischem Weg aus den Fasern heimischen Buchenholzes hergestellt wird. Diese weiche Zellulose-Faser erhöht den Tragekomfort durch besonders effektive Feuchtigkeitsaufnahme.

Müll

Jede:r Bewohner:in Europas kauft pro Jahr fast 26 kg an Textilen und entsorgt etwa 11 kg (Europäisches Parlament 2020). Und die Zahlen wachsen. Während im Jahr 1990 der weltweite Fasermarkt ein Volumen von 38 Millionen Tonnen verzeichnete, waren es im Jahr 2000 schon knapp 50 Millionen und im Jahr 2019 wurden weltweit rund 107,5 Millionen Tonnen an Textilfasern produziert (Statista).

Mulesing

Bezeichnung für das Entfernen der Haut rund um den Schwanz von Schafen ohne Schmerzausschaltung. Ein in Australien und in Neuseeland gebräuchliches Verfahren zur Gewinnung von Merinowolle und um einen Befall mit Fliegenmaden zu verhindern. Mulesing steht bei Tierschützer:innen hart in der Kritik. Die offene Wunde wird meist weder verbunden noch werden die Tiere mit Medikamenten versorgt. Es bleibt zudem immer das erhöhte Risiko, dass die faltig-gezüchteten Merinoschafe auch an der entstandenen Wunde oder am restlichen Körper an Madenbefall erkranken. Außerdem werden Merinoschafe aus ökonomischen Gründen oft so gezüchtet, dass sie einen höheren Wollertrag bringen. Entsprechend bildet sich auch eine größere Hautfalte, welche den Fliegen als Brutstätte dient.

N

Nachhaltigkeit

Der nicht geschützte Begriff dient mittlerweile leider oft als Black Box. Im Idealfall bezeichnet er aber eine Handlungspraxis, bei der Stoffe und Kleidungsstücke ohne Ressourcen-Verschwendung, endlose Transportwege und überflüssigen Einsatz von Chemie produziert, zu fairen Bedingungen hergestellt werden und am Ende ihres Produktlebenszyklus komplett biologisch abbaubar sind.

Nanaileder

Nanaileder ist ein spezielles Lachsleder, welches zu 100 % chromfrei gegerbt und gefärbt ist. In seiner Struktur ist Nanaileder dünner als Kalbsleder, sehr elastisch, langlebig und spritzwasser-abweisend.

Neonyt

Name einer Leitmesse für nachhaltige Mode, die früher in Berlin, ab Sommer 2021 in Frankfurt stattfindet.

NGO

Abkürzung für „Non-Governmental-Organisation“, was übersetzt heißt „Nicht-Regierungsorganisation“.

NoS

Abkürzung für „Never-out-of-stock“. Das sind Artikel, die permanent produziert werden und daher längerfristig im Sortiment bleiben. Dadurch kann der Lieferant seine Produktionsauslastung gleichbleibend planen und Produktionsabläufe optimieren, die Fertigungszeit der Arbeiter:innen wird besser verteilt und exzessive Überstunden vermieden. Das hat wiederum planbare Einkünfte, verbindliche Grundeinkommen der Arbeiter:innen und angemessene Arbeitszeiten zur Folge.

O

Öko-Tex

Der Standard 100 by Oeko-Tex garantiert die Prüfung auf Schadstoffe – somit ist das Siegel eine gute Orientierungshilfe auf der Suche nach schadstofffreier Kleidung. Viel mehr sagt das Siegel jedoch nicht aus. Wer beim Kauf von Kleidung und Textilien Wert auf Umweltverträglichkeit und eine faire Produktion legt, sollte lieber auf das IVN- oder das GOTS-Label achten. Der Begriff “Öko” impliziert aber beim ökologisch orientierten Endverbraucher grundlegende Positionen, wie ökologischer Landbau ohne den Einsatz von beispielsweise Pestiziden, keine Genmanipulationen, sogenannte “Biologische Baumwolle”, faire Arbeitsbedingungen bei Erzeugern und Herstellern, keinerlei Kinderarbeit und vieles mehr. Alle diese für den Öko-Kunden wichtigen Grundlagen spielen beim Oeko-Tex®-Standard eine eher untergeordnete Rolle. Auch Textilien aus Kunstfasern wie Polyester können das Siegel des Oeko-Tex® Standard 100 erhalten. Die Schadstoff-Prüfung erfolgt lediglich am fertigen Produkt, die Erzeugung der Materialien, die Herstellung des Produkts, die Arbeitsbedingungen bei der Fertigung sowie das ökologische Umfeld der Produktion werden nicht einbezogen.

Ocean Plastic

Ocean Plastic wird als nachhaltiges Material für viele Produkte von Schuhen über Kleidung bis zu Verpackungen verwendet. Der Name suggeriert, das im Meer angefallener Plastikmüll recycelt wird. Problematisch ist jedoch, dass es keine gesetzlich bindende Definition dafür gibt, was Ocean Plastic genau ist. Deswegen steht das Material mittlerweile als Greenwashing in der Kritik. Entgegen der den Kund:innen vermittelten Annahme, muss der aufbereitete Kunststoff nicht zwangsläufig aus dem Meer stammen. Dennoch: Nachhaltiger, als neues Plastik ist aufbereiteter, recycelter Kunststoff allemal – auch Ocean Plastic, das gar nicht aus dem Meer stammt. Denn es verringert Abfallmengen und spart Erdölressourcen, die für die Plastikproduktion sonst nötig wären.

P

Post-consumer waste

Beim Post-consumer waste handelt es sich um ein Material, das weggeworfen wird, nachdem jemand es benutzt hat. Post-consumer-Abfall hat seinen Verwendungszweck erfüllt, ist durch die Hände von Endverbraucher:in gegangen und wurde dann zur Entsorgung oder Verwertung weggegeben. In der Modeindustrie bezeichnet Post-consumer waste textile Reste wie etwa Altkleider oder abgelegte Arbeitskleidung. In unserem Fall sind es used Denims, die wir täglich für euch upcyceln.

Pre-consumer waste

Beim Pre-consumer waste handelt es sich um ein Material, das weggeworfen wurde, bevor es für die Verwendung durch den oder die Verbraucher:in bereit war. Pre-consumer-Abfall kann in der Modeindustrie beispielsweise durch Textilreste beim Beschnitt oder Färben entstehen. Auch Griffmuster, Musterlaschen und Garnabfälle gehören zum Pre-consumer-waste.

PFC

PFC ist eine Abkürzung für per- und polyfluorierte Chemikalien. Diese Stoffgruppe umfasst mehr als 3000 verschiedene Stoffe. In der Textilindustrie werden PFC wegen ihrer wasser-, fett- und schmutzabweisenden Eigenschaften verwendet. So werden PFC beispielsweise in Outdoor-Kleidung, Arbeitskleidung oder Imprägniermittel eingesetzt. Problematisch ist, dass PFC toxisch sind und bei Herstellung, Gebrauch oder Entsorgung von PFC-haltigen Produkten in unsere Umwelt gelangen können. Da sie nicht in Kläranlagen abgebaut werden können, gelangen wasserlösliche PFC beispielsweise in Flüsse und Meere. Der Mensch nimmt PFC hauptsächlich über die Nahrung oder über verunreinigtes Trinkwasser auf.

Q

Qualität

Die Kombination aus schlechter Qualität und günstigen Preisen ist der Antrieb unser Wegwerfgesellschaft. Genau deswegen setzt Fair Fashion auf Qualität, denn was lange hält und gern getragen wird, wird nicht oder weniger oft weggeschmissen.

Queerness

Fair Fashion steht für eine nachhaltige und sozial gerechte Herstellung von Mode. Fairness sollte nicht nur die Arbeitsbedingungen implizieren, sondern auch im Blick haben, dass sich Menschen verschiedener Geschlechtsidentitäten in der produzierten Kleidung wohl fühlen. Ziel ist es, das binäre Geschlechtersystem der Mode aufzubrechen und Kleidungsstücke zu kreieren, die Menschen das Gefühl geben, in ihrer Identität gesehen zu werden.

R

Rebound-Effekt

->das Jevons-Paradoxon.

RSL

Die Restricted Substances List (RSL) listet Substanzen oder Stoffgruppen auf, die im Endprodukt nur noch eingeschränkt oder gar nicht nachweisbar sein dürfen.

Ready to wear/RTW

Prêt-à-porter oder off-the-rack ist die Bezeichnung für Konfektionskleidung, die in standardisierten Größen verkauft wird, im Unterschied zu Maßkleidung, die auf die Maße individuellen Person zugeschnitten ist. Diese Konfektionskleidung in standardisierten Größen soll ohne wesentliche Änderungen den meisten Menschen passen. Standardschnitte, bewährte Modellvarianten und optimierte Produktionsmechanismen halten die Kosten im Vergleich zur Maßkonfektion niedrig.

Regeneratfasern

Fasern aus chemisch prozessierten, natürlich vorkommenden, nachwachsenden Rohstoffen. Dabei handelt es sich vor allem um Zellulosederivate aus Holz. Gemeinsam mit den synthetischen Chemiefasern zählen sie zu den Chemiefasern und sind keine Naturfasern. Die wichtigsten Regenerate sind Lyocell, Cupro, Modal und Viskose. Die in Form von Zellstoff vorliegende feste Cellulose wird zur Herstellung mit Lösungsmitteln verflüssigt, so durch Spinndüsen gepresst und anschließend wieder zu festen Cellulosefasern regeneriert.

Restanten/Warenüberhänge

Fast Fashion Anbieter drücken wöchentlich neue Kollektionen in online oder offline Stores, ohne dass alle Textilien der Vorkollektion abverkauft werden konnten. Diese Restanten werden auf verschiedene Weisen entsorgt: viele Textilien finden tonnenweise Abnehmer:innen in den Niedrigpreis-Märkten Afrikas und Asiens, der Rest landet häufig in der thermischen Verwertung.

Retouren

Die Hose wird direkt in mehreren Größen bestellt und die nicht passenden werden einfach zurückgeschickt – im Fast Fashion Betrieb sind Retouren ein geläufiges Phänomen. Was für Besteller:innen bequem erscheint, stellt jedoch Mitarbeiter:innen der Logistik vor enorme Herausforderungen und trägt massiv zu Emissionen bei. Zudem werden immer wieder Berichte laut, nach dem große Anbieter Retouren nicht ins System zurücknehmen, sondern dieser aus Kostengründen direkt entsorgen. Mehr zum Thema gibt es in einer interessanten Greenpeace Studie aus dem Jahr 2018.

Re:newcell

Vor allem unzureichendes Recycling sorgt dafür, dass der Textilkreislauf in Sachen Nachhaltigkeit noch Nachholbedarf hat. Die Technologie von re:newcell löst gebrauchte Baumwolle und andere Naturfasern in einen neuen, biologisch abbaubaren Rohstoff auf. Nachdem die Kleidung von Knöpfen befreit, entfärbt und zerkleinert ist, verwandelt sie sich in eine wässrige Masse. Alles, was keine Cellulosefaser ist, wird dann getrennt. Anschließend wird die Masse getrocknet und zu Platten gepresst. Am Ende bleibt ein fester Zellstoff aus 100 Prozent recycelten Textilien übrig.

S

Social Reporting Standard

Der Social Reporting Standard (SRS) ist ein Leitfaden für die Berichterstattung von sozialen Unternehmen und Non-Profit-Organisationen. Der SRS erfasst systematisch relevante Organisations- und Finanzinformationen und eignet sich daher als Kommunikationsinstrument nach außen, um die Wirkung des Unternehmens oder NGO Unterstützer:innen nachzuweisen, als auch für das organisationsinterne Berichtswesen. Auch wir schreiben jedes Jahr einen SRS, um unseren Impact festzuhalten.

Slow Fashion

Slow Fashion – also “langsame Mode” – ist als Gegenbewegung zur Fast Fashion zu verstehen und beschreibt damit grundsätzlich einen nachhaltigen und bewussten Modekonsum, der sich gegen Mode als Wegwerfprodukt richtet. Neben dem Konsum von Kleidungsstücken aus umweltfreundlichem Material und upgecycelter Kleidung meint Slow Fashion auch Secondhand-Mode, langlebige Kleidung sowie den bewussten Kauf bei kleinen und regionalen Modelabels.

Sweatshop

Der Sweatshop (zu deutsch “Schweißfabrik”) ist ein abwertender Begriff für eine Fabrik oder Werkstatt, insbesondere in der Bekleidungsindustrie, in der Arbeiter:innen unter schlechten finanziellen und gesundheitlichen Bedingungen beschäftigt sind.

Socken

Socken sind das perfekte Beispiel für ein Kleidungsstück, das im Fast Fashion System funktioniert. Sie sind eine sehr preisaggressive Ware und kommen meist im Multipack. Wer also nur die eine Socke mit Loch an der Ferse ersetzen möchte, kommt kaum darum herum, gleich mehrere neue Paare einzukaufen. Socken im Multipack werden häufig als Lockangebote unter dem Produktionspreis verkauft und tragen zu einer Verschärfung der Niedriglohnspirale bei.

(neue) Synthetikfasern

Polyester, Polyamid, Polyacryl, Elastan etc. gehören zu den synthetisch hergestellten und meist produzierten Bekleidungsfasern. Synthetische Fasern werden aus unterschiedlichen Chemikalien, die z.B. bei der Erdölaufbereitung anfallen, hergestellt. Durch die künstliche Herstellung dieser Fasern ist es möglich, eine Vielzahl unterschiedlicher Fasern mit vielen verschiedenen Einsatzmöglichkeiten und Eigenschaften zu kreieren.

Synthetikmaterialien und Nachhaltigkeit? Das scheint sich auf den ersten Blick zu widersprechen. Dabei entstehen immer mehr neue, nachhaltige(re) Synthetikfasern. Das sind beispielsweise recyceltes Polyester, ECONYL® oder die aus Zellulose über chemische Prozesse hergestellten Fasern Viskose, Modall und Lyocell.

T

Tencel

Tencel ist ein Markenname für die Kunstfaserart Lyocell. Als Kunstfaser kann sie trotzdem Nachhaltigkeit: Das Kunstgewebe Tencel besteht aus aufbereiteten Holzfasern. Künstlich ist an dem Stoff nur der Arbeitsschritt, aus Holzfasern Garn zu gewinnen. Zudem ist Tencel auch biologisch abbaubar.

True Cost

In der Modeindustrie sagt der Preis eines Produktes oftmals wenig über die “wahren Kosten” aus. Zwar erscheint ein T-shirt für 15 Euro günstig, dass es zu lohnausbeuterischen Preisen für Mensch und Umwelt hergestellt wurde, reflektiert der Preis jedoch nicht. D.h. den wahren Preis zahlen andere. Sehr empfehlenswert ist zu diesem Thema der Dokumentationsfilm “The True Cost”, welcher genau der Suche nach den versteckten Kosten der Fast Fashion Industrie nachgeht.

Textilbündnis

Das Bündnis für nachhaltige Textilien (kurz “Textilbündnis”) ist ein Zusammenschluss aus über 100 Unternehmen, Verbänden, NGOs, Gewerkschaften und der deutschen Bundesregierung. Ziel des Bündnisses ist es, gemeinsam von der Rohstoffproduktion bis hin zur Entsorgung Verbesserungen entlang globaler Wertschöpfungsketten in der Textilindustrie zu erreichen.

Textilmüll

Gestern schmutzige Produktion, heute schicker Trend und morgen Müll – so sieht der Lebenszyklus von Fast Fashion Pieces aus. Eine Greenpeace Studie aus dem Jahr 2017 zeigte hierzu erschreckende Zahlen: Die weltweite Textilproduktion hat sich seit dem Jahr 2000 mehr als verdoppelt. Bei diesen Massen an Kleidung überrascht es nicht, dass in Deutschland jährlich ungefähr 1,3 Millionen Tonnen Kleidung entsorgt werden, von denen jedoch nur ein Bruchteil an karitative Einrichtungen geht, rund ein Viertel downcycelt werden kann und der Rest exportiert wird.

Thermische Verwertung

Nur wenig Textilabfälle sind bisher hochwertig industriell recycelbar. Oftmals wird Textilmüll und textile Überschüsse deshalb thermisch verwertet. Bei der thermischen Verwertung werden beispielsweise Textilabfälle in einer Müllverbrennungsanlage verbrannt, um Wärme zum Heizen oder Strom zu erzeugen. Das klingt zuerst ganz logisch. In der Praxis bedeutet das aber, dass Unmengen Alt- und Neukleider verbrannt werden und damit zu Erderwärmung, Klimawandel und CO2-Anstieg erheblich beitragen.

U

Überproduktion

Die Überproduktion von Kleidungsstücken ist ein massives Problem in der Fast Fashion Industrie. Dauerhaft sind die Kleiderstangen in Läden und das Sortiment in Online-Shops prall gefüllt, aber kaum ist die Saison vorbei, werden sie entsorgt. Das wahre Ausmaß der Verschwendung lässt sich kaum erahnen. Dabei gibt es jede Menge Alternativen: Beispielsweise die Produktion On Demand – produziert wird in diesem Fall immer nur dann, wenn auch wirklich ein Produkt bestellt wurde.

Upcycling

Unser Lieblingsthema! Beim Upcycling werden alte Materialien wiederverwendet, um ihnen ein neues Leben einzuhauchen und aus ihnen ein hochwertigeres Produkt herzustellen. Upcycling versteht sich damit als Gegenentwurf zum Downcycling und zum Wegwerfen von Kleidung. Mehr dazu lest ihr auf unserem Blog.

V

Vegan

Vegane Mode ist frei von Materialien, die von Tieren stammen, wie Pelz, Leder und Wolle. Außerdem verwenden vegane Modehersteller:innen auch keine Knöpfe, Kleber und andere Details, die aus tierischen Quellen stammen.

Visible mending

Visible mending meint das kreative Aufwerten alter Kleidung und bedeutet so viel wie “sichtbares Reparieren”. Im Grunde geht es bei Visible Mending darum, Löcher oder Risse in der Kleidung möglichst auffällig und kunstvoll zu flicken. Beispielsweise setzen buntes Garn oder Flicken mit Motiv eine Reparaturstelle in Szene. Die Kleidungsstücke können so länger getragen und optisch aufgewertet werden.

W

Weichspüler

Weichspüler ist beim Waschen beliebt, weil er die Wäsche geschmeidiger macht und duften lässt. Doch Weichspüler bringt auch eine ganze Reihe von umweltbelastenden und gesundheitsschädlichen Folgen mit sich. Viele Inhaltsstoffe und Chemikalien, die in Weichspülern stecken, können im Klärwerk nicht abgebaut werden und belasten somit Umwelt und Abwasser. Zudem lösen einige Duftstoffe Kontaktallergien aus, die synthetischen Chemikalien können Atemwegserkrankungen auslösen und auch für Veganer:innen ist Weichspüler nicht geeignet, da viele Produkte tierische Bestandteile enthalten.

Wasserdichtigkeit

Gerade beim Thema Wasserdichtigkeit und Outdoor-Bekleidung bedeutet ein mehr an Funktion oft auch eine Zusatzportion Chemie. Viele Hersteller:innen verwendeten beispielsweise PFC-haltige Chemikalien, um Oberflächen wetterfester Produkte wasser- und schmutzabweisend zu beschichten – Stichwort “Durable Water Repellency (DWR). Mittlerweile gibt es zum Glück viele nachhaltigere Lösungen, bei denen das Material oder die Herstellungsart frei von chemischer Imprägnierung ist.

Y

Yes, we can!

Wir glauben an einen Systemwandel in der Modeindustrie! Und ihr? #itstimeforafashionrevolution

Z

Zertifizierung

Heutzutage gibt es eine Vielzahl von Siegeln und Zertifikaten, die auf faire und nachhaltige Produktion hinweisen. Obwohl die Suche nach Zertifizierungs-Labels eine gute Möglichkeit ist, faire Modeprodukte zu finden, sagt eine fehlende Zertifizierung nicht unbedingt etwas aus. Eine Zertifizierung zu erhalten ist nicht einfach und oft recht kostspielig, so dass die Ressourcen gerade für kleinere Unternehmen oft nicht vorhanden sind. Es gibt viele kleine Firmen, die nachhaltig arbeiten und auf faire Standards achten, sich aber auf Grund des Budgets kein Siegel leisten können oder wollen. Gleichzeitig lohnt sich der Blick auf die Werte, die hinter einer Zertifizierung stehen: häufig schaut man nicht mehr so genau hin, weil man davon ausgeht, dass zertifizierte Produkte von Grund auf gut sind, obwohl sie sich vielleicht nur auf einzelne wichtige Teilaspekte beziehen (z.B. allein auf Schadstofffreiheit, nicht auf gute Arbeitsbedingungen etc.). Du brauchst deswegen eine Orientierung im Zertifikate-Dschungel? Helfen kann der “Labelchecker” der Initiative Romero und der Clean Clothes Campaign.

Zero waste Zuschnitt (inkl. Fully fashioned)

Zero Waste heißt zunächst nichts anderes als “null Abfall”. Abfall entsteht in der Modeindustrie in riesigen Mengen: viele Stoffe landen schon während der Produktion beim Zuschnitt oder Nähen im Müll. Zero Waste Mode hat das Ziel eines möglichst müllvermeidenden Zuschnitts. Oft werden rechteckige Stoffbahnen kaum zerschnitten, um so ein Zero Waste-Kleidungsstück entstehen zu lassen. Andere setzen auf einen so cleveren Zuschnitt, dass alle Teile verschnittfrei zugeschnitten werden können. Hier helfen inzwischen auch neue Technologien wie Laser.  Auch bei Strickwaren kann ohne Zuschnitt produziert werden. Das nennt man “Fully Fashioned”.