Fridays for Future: Nicht nur für junge Leute

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B&T STATWEMENT PIECE l Nach der Absage des 1,5°-Ziels findet am 29. November 2019 der 4. Globale Klimastreik statt. Für viele Schülerinnen und Schüler, Engagierte und Unterstützer, die beinahe ein Jahr klimagestreikt und dieses Ziel eingefordert haben, war dies ein Schlag ins Gesicht. Die bevorstehende Demonstration fällt daher unter das Motto: #NeustartKlima – laut, wütend und unbequem – Klimagerechtigkeit jetzt. Es wird Zeit, ein letztes Mal vor der anstehenden Weltklimakonferenz Anfang Dezember Forderungen an die Politik zu stellen. Verlangt werden „wirkungsvolle Handlungen“ in einem Zeitraum von zehn Jahren. Wenn ihr euch jetzt fragt, warum es überhaupt wichtig ist, demonstrieren zu gehen, wenn es vermeintlich ja doch nichts bringt, dem sei gesagt: Jeder einzelne hat so die Gelegenheit, Unzufriedenheit, Protest und direkte Handlungsaufforderung kundzutun. Genau das tun seit fast einem Jahr jeden Freitag Tausende im Namen des FFF, der Klimapolitik und des Umweltschutzes.

 

Von Klimawandel zu Klimakrise

„Es war einmal ein aus dem hohen Norden stammendes Mädchen. Sie war noch nicht fertig mit der Schule – doch das machte nichts – denn sie war entschlossen, absolut überzeugt von ihrem Vorhaben und wusste ganz genau, was sie der Welt mitteilen mochte. Also beschloss sie, jeden Freitag für den Klimawandel auf die Straße zu gehen. Freitag für Freitag machte sie also die Menschen auf sich und die riesengroße Problematik aufmerksam. Zuerst protestierte sie noch allein, schon bald folgten ihr viele tausend Weitere.“

Ein jeder weiß, von wem die Sprache ist. Ihr Name ist Greta. Greta Thunberg. Mit ihr und ihrem Statement fing alles an: “Why should I be studying for a future that soon may be no more, when no one is doing anything to save that future?“. Anstatt freitags in der Schule findet man die ehrgeizige, ambitionierte und leidenschaftliche Sechszehnjährige in Stockholms Innenstadt – und mittlerweile auf vielen großen Protestmärschen weltweit, zu denen sie möglichst klimaneutral anreist. Greta steht heute für die gesamte, internationale Klimaschutzbewegung von jungen Menschen. Ihr Ausruf: „I want you to panic!“ ist ebenso polarisierend wie emotionalisierend – und gerade deshalb so treffsicher.

 

 „Omas For Future“ – Warum FFF nicht nur für junge Leute ist

Fridays For Future steht häufig stellvertretend für die politische Partizipation junger Leute. Dabei sind Fridays For Future alle, die sich für unser Klima einsetzen. Das beweisen die „Omas for Future“: „Die Jugend kämpft für die Umwelt – und wo sind die Älteren?“. Cordula Weimann, die sechzigjährige Initiatorin erweitert die Umweltbewegung und lädt die Generation 50 plus herzlich zur Teilnahme ein. Wer Freude am Heranwachsen seiner Enkel hat und möchte, dass diese genauso lange und erfüllt leben können, wie man selbst, sollte für ihre Zukunft mit auf die Straße gehen. „Wir müssen handeln – sofort. Jeder für sich – und wir alle gemeinsam.“, fordert die engagierte Großmutter und möchte so viele Menschen wie möglich zum Umdenken auffordern. Obwohl der Name der Gruppe zwar „Omas for Future“ lautet, sind neben den zahlreichen Frauen auch ebenso Männer willkommen.

Die Pariser Klimaziele werden nicht ausreichen, um das Blatt zu wenden. Unzählige Menschen leben bereits in Angst um ihre Existenz, in Hungersnöten, flüchten und sterben. Extremwetterereignisse, Artensterben, steigender Meeresspiegel, neue Epidemien, Waldbrände, Nahrungsmittelengpässe, Dürren, Überflutungen, der Verlust von landwirtschaftlich nutzbaren Böden – all diese Phänomene werden keine Ausnahmen, sondern die traurige Realität werden.  Heute ist die „Fridays-For-Future-Bewegung“ deshalb bereits ein „Drei-Generationen-Streik“: Schulkinder und Studierende machen sich neben Eltern und Omas und Opas für unseren Planeten stark.

 

Hamburg muss handeln

Dass die FFF Bewegung Rückenwind über Generationen und Bereiche hinweg erfährt, zeigt auch die Initiative Hamburg muss handeln. Unter diesem Schlagwort versammeln sich derzeit Hamburger Unternehmen und Organisationen, die sich hinter die Fridays for Future-Bewegung stellen, um die Hamburger Politik zu mehr Klimaschutz und zukunftsverträglichem Handeln aufzurufen. Dies geschieht nach dem Vorbild von „München muss handeln“, dem sich seit Juni 2019 mehr als 400 Institutionen angeschlossen haben – darunter Bäckereien, Banken, Bauunternehmen, Bürgerverbände, Kleidergeschäfte, Krankenkassen, Kunstkollektive, Landwirtschaftsverbände, Naturschutzorganisationen, Restaurants, Softwarehersteller…usw. Ziel ist es, insbesondere angesichts der Hamburger Bürgerschaftswahl im Februar 2020, das Interesse der Hamburger Bevölkerung an ernsthafter Klimapolitik zu erhöhen und der Politik gegenüber sichtbar zu machen. In einem offenen Brief werden die Mitglieder*innen der Hamburgischen Bürgerschaft dazu aufgerufen, die notwendigen Forderungen der Hamburger Scientists- und Fridays for Future-Bewegung für Klimaschutz ernst zu nehmen. Selbstredend unterstützen wir diesen Zusammenschluss natürlich gern.

Fridays for Future Hamburg muss handeln

Mit Poetry gegen die Klimakrise

Wir haben unsere Praktikantin Karla, gerade 18 Jahre jung gefragt, warum Fridays for Future, für sie so ein bewegendes Thema ist:

Ich kann mich noch ganz genau an diesen einen Tag erinnern, an dem ich so unfassbar wütend auf die gesamte Menschheit war. Es gab nicht ein bestimmtes Ereignis oder eine spezielle Person, die dafür der Auslöser war. Vielmehr war es das Zusammenspiel etlicher Dinge, die mir in den vergangenen Tagen aufgefallen waren. Der 4. Juli war ein lauer Sommerabend und ich hatte mir eine Dokumentation zum Klimawandel und all den Auswirkungen angeschaut. Im Anschluss habe ich ernüchternd feststellen müssen, dass nicht jeder so durch’s Leben läuft wie ich und ganz besonders, dass es so außerordentlich viele Menschen echt überhaupt nicht kümmert, was gerade mit unserer Erde passiert. Ich war daraufhin nicht nur stinkwütend, sondern fühlte mich auch so unglaublich erfolglos in meinen unnütz wirkenden Taten. Meine Wut habe ich in folgenden Poetry Slam Text verpackt:

Weltschmerz!
– so heißt das Gefühl, was ich spür’,
wenn Menschen einfach so

einem den Rücken zukehr’n,
vor schlechter Laune, Groll und Hass tropfen;
rücksichts- und empathielos
so vor sich hinvegetier’n
und vor allem nicht kapier’n,
dass wenn sie nichts an sich ändern,
die Menschheit zu Grunde gehen wird!

Ohne Achtung vor Mensch, Natur und Umwelt
passiert’s schnell, dass alles umfällt!
Dass wir alle demnächst unserem eigenen Ende ins Auge schauen werden.
Dass nicht unsere Kindes-Kinder,
sondern wir – die Kinder unserer Eltern –
in Angst und Kummer leben angesichts des Klimawandels.
Angesichts jener Dinge verursacht durch die Eltern unserer Eltern.

Es liegt an uns!
Hier und Jetzt etwas zu tun, tätig zu werden
und nicht mehr mit Scheuklappen durch die Welt zu laufen.
Es liegt an uns!
Hier und Jetzt das Bewusstsein zu erlangen,
unser Verhalten zu ändern!
Und ganz besonders liegt es an uns –
All dies gemeinsam zu tun,
Hand in Hand!

Unsere Zeit zu gehen, ist noch nicht gekommen!
Hören wir auf, uns selbst zum Tode zu verurteilen

 

fridays for future

Macht mit und kommt am 29. November mit auf die Straßen – wir sehen uns!

written by Karla Straube