Warum wir uns jetzt auf Messen wagen

Nächste Woche sind wir mit Bridge&Tunnel erstmalig als Aussteller auf einer B2B Modemesse dabei. Dass wir uns für unsere Premiere die nachhaltige Messe Neonyt ausgeguckt haben, die im Rahmen der Fashion Week Berlin stattfindet, ist dabei natürlich kein Zufall. Wir sind in jedem Fall wahnsinnig aufgeregt, denn für uns ist es ein riesengroßer Schritt, um unser Label auf dem deutschen Markt noch bekannter zu machen. Falls ihr euch fragt, warum wir diesen Schritt erst jetzt, also nach zweieinhalb Jahren Bridge&Tunnel gehen, gibt es hier die Antwort dazu.

Produktion in Deutschland

Als wir Bridge&Tunnel gegründet haben, war schnell klar, dass die Art und Weise, wie wir produzieren wollen, mit verhältnismäßig hohen Kosten verbunden ist. Obwohl hier vielleicht der Denkfehler schon beginnt. Denn eigentlich ist doch unsere Produktion nicht zu teuer, sondern die konventionelle Modeproduktion, die nicht umsonst zu großen Teilen in den vielen Billiglohnländern dieser Erde stattfindet, zu günstig? Bewusst und bei vollem Verstand haben wir uns in jedem Fall dafür entschieden, eine eigene Produktion inmitten Deutschlands aufzubauen. Mit Menschen, die es sonst schwer haben, einen Job zu finden, aber an der Nähmaschine wahninnig talentiert sind. Diesen ganz besonders wertvollen Menschen zahlen wir tarifliche Löhne, der in unserem Fall deutlich über dem Mindestlohn liegt.

Das Bridge&Tunnel Produktionsteam vereint Menschen mit gesellschaftlichen Handicaps (Fluchtgeschichte, Gehörlosigkeit, fehlende Abschlüsse).

Upcycling, baby!

Auch unsere Materialverarbeitung ist anders als bei konventionellen Labels. Denn wir haben uns ebenfalls bewusst dafür entschieden, bereits vorhandene Materialien, die in unserer Überflussgesellschaft in unfassbaren Dimensionen vorhanden sind, zu nutzen. Ausgedienten Jeans verhelfen wir zu einem neuen Leben in style und verlängern damit die Haltbarkeitszeit von Textilien. Das ist gut für unsere Umwelt, die dann nicht zwei Mal belastet wird. Denn es ist doch verrückt, wenn eine Jeans uns nur eine Saison begleitet. Es ist aber auch gut für die Menschen, die die Jeans einmal produziert haben, denn ihre Arbeit wird ja nicht wertlos, nur weil wir uns nach einer Saison an einem Design satt gesehen haben. Wir lieben die komplexe Produktionsweise des Upcyclings, sie bedeutet in der Praxis aber auch, dass wir sehr viel Zeit mit der Materialaufbereitung der alten Schätze verbringen. Beide Faktoren zusammen führen zu relativ hohen Produktionskosten, bis unsere Designs überhaupt fertig sind.

Bridge&Tunnel Team Arbeit Werkstatt Fair Fashion

Aus alten Jeans wird neues Design.

Deshalb war für uns am Anfang klar, dass unser Vertriebsweg zunächst nur über unseren eigenen Webshop gehen kann. Denn es war einfach zu wenig Puffer zwischen Fertigungspreis und Verkaufspreis da, um unsere Produkte auch im stationären Handel anzubieten. Das wäre nur möglich gewesen, wenn unsere Produkte von Beginn an noch teurer gewesen wären. Aber wer kauft schon einen Rucksack für 400 €?

Hallo Handel!

Zweieinhalb Jahre später stehen wir an dem Punkt, dass wir die Fähigkeiten unseres Teams deutlich verbessern konnten, was uns erst einmal wahnsinnig stolz macht. Es bedeutet aber auch, dass wir einige Produkte jetzt schneller fertigen können und bei gleichem Verkaufspreis plötzlich eine Marge entsteht, die es uns ermöglicht unsere Produkte auch offline anzubieten. Wenn das mal kein Yeah wert ist! Zudem haben wir gemerkt, dass viele unserer Kunden ihr Bridge&Tunnel Unikat gern anfassen und erfühlen wollen, was offline natürlich auch besser geht als in unserem (trotzdem sehr geliebten) Webshop.

Zwar schaffen wir es immer noch nicht, bei allen Produkten eine Marge anzubieten, wie sie im Handel üblich ist. Aber wir sind auf einem guten Weg und unsere Produktion verbessert sich täglich. Deshalb hoffen wir sehr, auf der Neonyt viele viele Händler mit unserem Design und den Margen begeistern zu können. Denn wäre es nicht großartig, wenn man Bridge&Tunnel bald in noch mehr Stores deutschlandweit oder auch darüber hinaus kaufen könnte?

Ihr findet uns auf der Neonyt vom 15.-17.Januar in Halle KW.0/ D26.

 

Fotos: Christian Schulz