Jeans Upcycling – wenn der Kreislauf weitergeht

„Upcycling… das hab ich doch schon mal gehört.“ Kommt euch das bekannt vor? Das Wort kennen viele, fragt man nach der Definition, geraten aber viele ins Grübeln. Auch wir haben zu dem Begriff eine durchaus ambivalernte Beziehung: Wir lieben Jeans Upcycling und praktizieren es jeden Tag. Allerdings wird die Konnotation des Begriffes seiner Kreativität und Vielfalt nur annähernd gerecht. Doch zurück zum Anfang: was ist überhaupt Upcycling?

Upcycling ist ein Mischwort aus Aufwerten („Up“) und Wiederverwerten („Recycling“). Während beim Recycling benutzte Rohstoffe aufbereitet und wiederbenutzt werden, geht Upcycling einen Schritt weiter: Abfallstoffe oder gebrauchte Gegenstände werden nicht nur einem neuen Zweck zugeführt, sondern es kommt beim Upcycling zu einer stofflichen Aufwertung. Das hat viele positive Nebeneffekte: Die Wiederverwertung von vorhandenem Material reduziert nicht nur den Bedarf an neu produzierten Dingen und Materialien. Sie wirkt sich auch schonend auf unsere begrenzten Ressourcen aus, verringert den Energieverbrauch sowie die Luft- und Wasserverschmutzung.

Stoffe, die für ein textiles Upcycling-Verfahren verwendet werden, sind vielfältig. Ausgediente Feuerwehrschläuche, Reste aus der Textilproduktion oder alte LKW-Planen – viele ausgediente Dinge finden heutzutage ein neues Dasein in Form von hochwertigen Produkten. Vor allem in der Modebranche ist Upcycling in den vergangenen Jahren zu einem zentralen Begriff avanciert.

Foto: Lisa Notzke, Styling: Milia Seyppel

 

Upcycling – Gegenentwurf zur Wegwerfgesellschaft

Damit kann Upcycling als Gegenentwurf zur weltweiten Wegwerfmentalität verstanden werden. Allein in Europa werden jährlich 50 Millionen Tonnen Textilien achtlos weggeworfen. 75 Prozent davon landen auf einer Mülldeponie. Es werden lediglich 25 Prozent recycelt. Gleichwohl ist Upcycling kein neues Konzept. Viele der besten Ideen für hochwertiges Upcycling stammen aus den 1930er und 1940er Jahren, als Familien wenig Einkommen und begrenzte materielle Ressourcen hatten. In dieser Zeit wurde fast alles wiederverwertet, Dinge erhielten immer und immer wieder ein neues Antlitz – bis sie irgendwann komplett ausgedient hatten: Futtersäcke wurden zu Kleidung, alte Türen zu Tischplatten… Aus der Not entstand Kreativität, die DIY-Fans noch heute begeistert!

In Ländern mit geringerer Kaufkraft ist Upcycling wegen knapper Geldmittel schon seit vielen Jahren ein gelerntes Verfahren, das sich aus einer schieren Notwendigkeit ergibt. Rohmaterialien sind teuer, so entstehen aus vermeintlichen „Resten“ Schalen, Körbe oder andere nützliche Produkte.

Upcycling Design aus alten Jeans

Denim bietet sich zum Upcycling an. Jeder hat schließlich Jeans im Schrank und am Bein sowieso. Nicht selten gesellen sich aber über die Jahre Löcher an Stellen dazu, die die Hose irgendwann untragbar machen. Das heißt aber noch lange nicht, dass sie in den Müll wandern muss. Oft sind Jeans nur an den Knien oder am Gesäß verschlissen, die Beinvorder- und -rückseite lassen sich oft noch zu tollen Produkten weiterverarbeiten – mit Jeans Upcycling.

Mit unserem Label Bridge&Tunnel haben wir uns bewusst dafür entschieden, nur aus vorhandenen Jeans zu fertigen. Denn davon gibt es genug auf dieser Welt. Dass Jeans Upcycling eine ästhetisch anspruchsvolle Designpraxis ist, zeigen wir mit Bridge&Tunnel jeden Tag. Nach einigen Experimenten, bei denen wir im Patchwork-Verfahren die unversehrten Teile von used Jeans weiterverarbeitet hatten, war uns schnell klar, dass sich tatsächlich Kollektionsideen aus abgelegten Jeans entwickeln lassen. Patchwork ist noch immer unser wichtigstes Produktionsverfahren. Alle unsere Designs haben deshalb einen geometrischen, minimalistischen Look, der sich aus dem reduzierten Patchwork speist. Unser Anspruch ist es, Produkte mit Potenzial zu individuellen Allround-Lieblingsstücken zu fertigen. Die Schnitte sind klassisch mit raffinierter Ausführung. Und jedem einzelnen Piece sieht man unsere Freude an Materialität und Farbe an.

Foto: Lisa Notzke, Styling: Milia Seyppel

Taschen und Home Textiles aus used Jeans

Wenn ausgediente Jeans bei uns in der Werkstatt in Hamburg-Wilhelmsburg ankommen überprüfen wir zunächst ihre Qualität. Normalerweise wird in Produktionsbetrieben mit Meterware gearbeitet – nicht bei uns. Bei uns finden im Rahmen unseres Jeans Upcycling tatsächlich die einzelnen Hosenbeine ihren Weg auf den Zuschneidetisch, bevor dort die Schnittschablone aufgelegt wird. Deswegen ist es auch ein großer Irrglaube, dass die Verarbeitung von alten Stoffen günstiger sei als die Verwendung von Meterware. Das Gegenteil ist der Fall, denn Upcycling ist zeit- und damit kostenintensiv. Wenn die einzelnen Jeans-Schnittteile kombiniert sind, werden sie arbeitsteilig zum individuellen Bridge&Tunnel Endprodukt.

Foto: Lisa Notzke, Styling: Milia Seyppel

Customized – neues Design aus deinen Jeans

Mittlerweile erhalten wir sehr viele Jeans-Spenden von Privatpersonen, denn Hosen, die einen jahrelang begleitet haben, hat man als Wegbegleiter zu schätzen gelernt. Der gute Freund soll nun einfach in die Altkleidersammlung und damit eventuell direkt in den Müll? No way! Zu sehen, wie ein vermeintlich ausgedientes Stück weiterverwertet wird, ist etwas ganz Besonders.

Ihr habt Lust auf Jeans Upcycling und darauf, eure alte Jeans in einem neuen Design wiederzusehen? Dann schaut in unserem customized Bereich in unserem Webshop vorbei.